Das ist für mich in Ordnung.
- Lukas Ramseyer

- 21. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Aug.
"Über Körpersprache, Kongruenz und die Grenzen des Deutens in der Auftrittskompetenz"

Eines meiner Lieblingsthemen ist die Auftrittskompetenz. Warum? Weil sie allgegenwärtig ist und uns in allen Situationen begleitet. Wir werden gelesen und wir lesen andere. Und dies grösstenteils unbewusst. Sozialsignale donnern auf uns ein. Gerade die nonverbalen Signale sind so faszinierend. Wir sind Weltmeister im Deuten, Senden und Empfangen von nonverbalen Signalen. Übrigens werden laut Hirnforscher Dr. Lutz Jäncke ca. 90 Prozent der Signale, welche wir empfangen, unbewusst verarbeitet.
Da muss man sich auch nicht wundern, dass vermehrt Missverständnisse auftreten, wenn wir beispielsweise über MS Teams und Co miteinander sprechen, uns also nicht live gegenüberstehen.
Was machen wir also in einem Auftrittskompetenztraining?
Wir testen. Wir forschen. Wir spiegeln. Wir erkennen.
Nehmen wir mal einen kurzen Satz als Beispiel: "Das ist für mich in Ordnung."
Eine Person spricht ihn aus. Ruhig, mit offener Körperhaltung und einer passenden Betonung. Dann nochmals derselbe Satz. Diesmal verändert sie die Betonung, verschränkt vielleicht die Arme, zieht eine Augenbraue hoch oder wendet den Körper leicht ab.
Die Worte sind dieselben. Die Botschaft ist eine andere.
Kommunikation findet eben nicht nur verbal statt. Neben dem, was wir sagen, wirkt auch, wie wir es sagen: Lautstärke, Sprechtempo, Betonung und Pausen. Und gleichzeitig kommuniziert unser Körper mit: Haltung, Gestik, Mimik, Blickkontakt und Bewegung.
Verbal, paraverbal und nonverbal entsteht so eine Gesamtbotschaft.
Besonders spannend wird es für mich, wenn diese Ebenen nicht zusammenpassen.
Ich sage beispielsweise: "Das ist für mich in Ordnung." Gleichzeitig wird nun aber meine Stimme leiser, mein Blick weicht aus und mein Körper zieht sich etwas zurück.
Was kommt beim Gegenüber an? Die Worte? Die Stimme? Der Körper? Genau hier können Missverständnisse und Verwirrung entstehen.
Deshalb mag ich Trainings, in denen wir unseren eigenen Auftritt nicht nur besprechen, sondern erleben und spiegeln können. Wie glaube ich, auf andere zu wirken? Und wie werde ich tatsächlich wahrgenommen?
Dieser Abgleich zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung kann überraschend sein. Und er gibt uns die Möglichkeit, unsere Kommunikation bewusster und kongruenter zu gestalten.
Gleichzeitig ist mir dabei etwas anderes wichtig: Körpersprache ist kein Wörterbuch.
Verschränkte Arme bedeuten nicht automatisch Ablehnung. Ein ausweichender Blick bedeutet nicht automatisch Unsicherheit. In unseren Auftritt fliesst vieles ein: Kultur, Erfahrungen, persönliche Werte, die aktuelle Situation und unser ganz eigener «Rucksack».
Auftrittskompetenz bedeutet für mich deshalb nicht, bestimmte Gesten auswendig zu lernen. Es bedeutet, die eigene Wirkung besser zu verstehen, bewusster zu kommunizieren und gleichzeitig neugierig auf die Signale des Gegenübers zu bleiben, ohne sie vorschnell in eine Schublade zu stecken.
Ich lade dich ein, das nächste Mal bewusster hinzuhören: nicht nur auf die Worte, sondern auch auf Stimme und Körper.
-Lukas-

